Unterschied FI Typ B und Typ B+ – Fehlerstromschutz in Photovoltaikanlagen

Fehlerstromschutz in modernen elektrischen Anlagen

Fehlerstromschutzschalter gehören zu den wichtigsten Sicherheitskomponenten in elektrischen Installationen. Sie überwachen kontinuierlich den Stromfluss innerhalb eines Stromkreises und erkennen, wenn Strom über einen unerwünschten Weg abfließt.

Ein solcher Fehler kann beispielsweise entstehen durch:

  • beschädigte Leitungen
  • Isolationsfehler
  • defekte elektrische Geräte
  • Feuchtigkeit in elektrischen Bauteilen

Wenn ein Fehlerstrom erkannt wird, unterbricht der Fehlerstromschutzschalter den Stromkreis automatisch.

Diese Schutzmaßnahme dient in erster Linie dem Schutz von Personen vor elektrischen Gefahren.

Entwicklung verschiedener FI-Schaltertypen

Mit der zunehmenden Nutzung moderner Leistungselektronik haben sich auch die Anforderungen an Fehlerstromschutzschalter weiterentwickelt.

Früher wurden hauptsächlich einfache Verbraucher wie Beleuchtung, Heizgeräte oder Motoren betrieben. Heute kommen dagegen zahlreiche elektronische Systeme zum Einsatz.

Dazu gehören unter anderem:

  • Photovoltaikanlagen
  • Wechselrichter
  • Batteriespeicher
  • Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge

Diese Systeme arbeiten häufig mit elektronischer Leistungselektronik, die unterschiedliche Fehlerstromformen erzeugen kann.

Aus diesem Grund wurden verschiedene Typen von Fehlerstromschutzschaltern entwickelt.

Fehlerstromarten

Fehlerströme können in verschiedenen Formen auftreten.

Zu den wichtigsten gehören:

  • Wechselstromfehlerströme
  • pulsierende Gleichfehlerströme
  • glatte Gleichfehlerströme
  • hochfrequente Fehlerstromanteile

Die Fähigkeit eines Fehlerstromschutzschalters, diese Fehlerstromformen zu erkennen, hängt vom jeweiligen Gerätetyp ab.

FI Typ A

Der Fehlerstromschutzschalter Typ A gehört zu den am häufigsten eingesetzten Schutzgeräten in Haushaltsinstallationen.

Er erkennt:

  • Wechselstromfehlerströme
  • pulsierende Gleichfehlerströme

Dieser Typ wird beispielsweise in Stromkreisen für Steckdosen oder Haushaltsgeräte eingesetzt.

Bei bestimmten elektronischen Anwendungen kann jedoch auch Gleichstrom im Fehlerstrom auftreten.

FI Typ B

Der Fehlerstromschutzschalter Typ B wurde für Anwendungen entwickelt, bei denen auch glatte Gleichfehlerströme auftreten können.

Er erkennt:

  • Wechselstromfehlerströme
  • pulsierende Gleichfehlerströme
  • glatte Gleichfehlerströme
  • hochfrequente Fehlerstromanteile

Diese Eigenschaften machen den FI Typ B besonders geeignet für Anlagen mit moderner Leistungselektronik.

Typische Einsatzbereiche sind beispielsweise:

  • Photovoltaikanlagen
  • Wechselrichter
  • Batteriespeicher
  • Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge

Erweiterte Eigenschaften des FI Typ B+

Neben dem klassischen FI Typ B existieren auch Geräte mit erweiterten Eigenschaften, die häufig als FI Typ B+ bezeichnet werden.

Diese Geräte sind ebenfalls in der Lage, verschiedene Fehlerstromformen zu erkennen.

Zusätzlich verfügen sie über erweiterte Eigenschaften im Bereich der Fehlerstromerkennung.

Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass einige dieser Geräte bereits bei niedrigeren Fehlerstromwerten reagieren können.

Diese Eigenschaft kann insbesondere bei Anwendungen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen eine Rolle spielen.

Unterschiedliche Auslösecharakteristik

Ein weiterer Unterschied zwischen FI Typ B und Typ B+ kann in der Auslösecharakteristik liegen.

Während klassische FI-Schalter häufig bei einem Fehlerstrom von 30 mA auslösen, können Geräte mit erweiterten Eigenschaften auch zusätzliche Anforderungen erfüllen.

Solche Eigenschaften können beispielsweise sein:

  • frühere Reaktion auf bestimmte Fehlerstromformen
  • erweiterte Überwachung hochfrequenter Fehlerströme
  • zusätzliche Sicherheitsreserven

Die genaue Auslegung hängt vom jeweiligen Gerätetyp und Hersteller ab.

Einsatzbereiche von FI Typ B+

Fehlerstromschutzschalter mit erweiterten Eigenschaften werden häufig in Bereichen eingesetzt, in denen besonders hohe Anforderungen an die elektrische Sicherheit bestehen.

Typische Anwendungen können sein:

  • industrielle Anlagen
  • medizinische Einrichtungen
  • spezielle technische Anlagen

Auch in Anlagen mit komplexer Leistungselektronik können solche Schutzgeräte eingesetzt werden.

Photovoltaikanlagen und Fehlerstromschutz

Photovoltaikanlagen arbeiten mit Gleichstrom, der im Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt wird.

Die verwendete Leistungselektronik kann unter bestimmten Bedingungen unterschiedliche Fehlerstromformen erzeugen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Gleichstromanteile im Fehlerstrom
  • hochfrequente Fehlerstromanteile
  • pulsierende Gleichfehlerströme

Diese Eigenschaften müssen bei der Planung des Fehlerstromschutzes berücksichtigt werden.

Bedeutung der Herstellerangaben

Die Installationsanleitungen von Wechselrichtern enthalten häufig Hinweise zur Auswahl geeigneter Schutzgeräte.

Installateure sollten daher prüfen:

  • welche Fehlerstromarten auftreten können
  • ob eine Gleichstromüberwachung vorhanden ist
  • welche Schutzgeräte empfohlen werden

Diese Angaben sind eine wichtige Grundlage für eine sichere Installation.

Normative Anforderungen

Die Installation von Photovoltaikanlagen erfolgt auf Grundlage verschiedener elektrotechnischer Normen.

Zu den wichtigsten gehören:

DIN VDE 0100-410
Schutz gegen elektrischen Schlag.

DIN VDE 0100-530
Auswahl und Errichtung von Schalt- und Schutzgeräten.

DIN VDE 0100-712
Elektrische Anlagen von Photovoltaik-Stromversorgungssystemen.

Diese Normen definieren grundlegende Anforderungen an Schutzmaßnahmen in elektrischen Anlagen.

Planung der elektrischen Installation

Bei der Planung von Photovoltaikanlagen sollten mehrere Faktoren berücksichtigt werden.

Dazu gehören:

  • Wechselrichtertechnologie
  • mögliche Gleichfehlerströme
  • Aufbau der elektrischen Installation
  • Herstellerangaben

Eine sorgfältige Planung trägt wesentlich zur elektrischen Sicherheit der Anlage bei.

Fazit

Der Unterschied zwischen FI Typ B und Typ B+ liegt vor allem in den erweiterten Eigenschaften der Fehlerstromerkennung.

Beide Schutzgeräte können verschiedene Fehlerstromformen erkennen und werden häufig in Anlagen mit moderner Leistungselektronik eingesetzt.

Die Auswahl geeigneter Schutzgeräte sollte immer auf Grundlage der technischen Eigenschaften der Anlage sowie der Herstellerangaben erfolgen.

Weiterführende Informationen

Wenn Sie sich intensiver mit der Auswahl und Installation eines FI Typ B für Photovoltaik-Anlagen beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende technische Informationen:

• FI Typ B bei PV-Anlagen – Normen, Wechselrichter und richtige Auswahl
• FI Typ B in PV-Anlagen – Schutzmaßnahmen nach DIN VDE 0100-712
• Welche FI-Typen gibt es in Photovoltaikanlagen? Übersicht der Fehlerstromschutzschalter
• Funktionsweise eines FI Typ B – Fehlerstromschutz in Photovoltaikanlagen
• Fehlerstromschutz in Photovoltaikanlagen – Grundlagen, Technik und Schutzkonzepte

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