FI Typ B für Wallbox – Normen & Auswahl
Normativer Rahmen DIN VDE 0100-722
Moderne Wallboxen zur Ladung von Elektrofahrzeugen erzeugen im Betrieb glatte Gleichfehlerströme (DC), die herkömmliche Fehlerstromschutzschalter vom Typ A unter Umständen beeinträchtigen können. Das Risiko besteht darin, dass der Schutzmechanismus im Fehlerfall nicht zuverlässig auslöst.
Für Ladeeinrichtungen gelten daher besondere Anforderungen gemäß:
- DIN VDE 0100-722
- DIN EN 62423
Wallboxen sind keine gewöhnlichen Endverbraucher. Sie kombinieren Leistungselektronik, Gleichrichter und Dauerlastbetrieb. Deshalb ist die korrekte Auswahl des Fehlerstromschutzes entscheidend.
Wann ist ein FI Typ B bei einer Wallbox erforderlich?
Die DIN VDE 0100-722 fordert, dass Ladeeinrichtungen gegen Gleichfehlerströme ≥ 6 mA abgesichert sein müssen.
In der Praxis bedeutet das:
Hat die Wallbox keine integrierte DC-Fehlerstromüberwachung, ist ein FI Typ B erforderlich.
Verfügt die Wallbox über eine integrierte 6 mA DC-Erkennung, kann unter bestimmten Bedingungen ein Typ A EV ausreichen.
In Zweifelsfällen wird insbesondere im gewerblichen Umfeld häufig ein FI Typ B eingesetzt, da dieser sowohl AC- als auch glatte DC-Fehlerströme zuverlässig erkennt.
FI Typ B bei 11 kW Wallbox
Eine 11 kW Wallbox wird üblicherweise dreiphasig mit 16 A betrieben.
Typische Konstellation:
- 3 × 16 A
- Vorsicherung 3 × 16 A oder 3 × 20 A
- Bemessungsstrom FI meist 40 A
In den meisten privaten Anwendungen ist ein FI Typ B mit 40 A / 30 mA ausreichend, sofern keine zusätzlichen Verbraucher über denselben Schutzschalter betrieben werden.
FI Typ B bei 22 kW Wallbox
Eine 22 kW Wallbox arbeitet mit 3 × 32 A.
Hier ergeben sich:
- höhere Dauerlast
- größere thermische Belastung
- häufig Vorsicherung 35 A oder 50 A
In diesen Fällen wird in der Praxis häufig ein FI Typ B mit 63 A Bemessungsstrom verwendet, um ausreichende thermische Reserven sicherzustellen.
40 A oder 63 A richtig dimensionieren
Die Auswahl richtet sich nicht allein nach der Ladeleistung, sondern auch nach:
- Vorsicherung
- Gleichzeitigkeitsfaktor
- Gesamtlast des Verteilers
- Umgebungstemperatur
- geplanter Erweiterung
Wird die Wallbox als alleiniger Verbraucher über den FI geführt, reicht bei 11 kW in der Regel 40 A aus. Bei 22 kW oder mehreren Ladepunkten ist 63 A häufig die sicherere Lösung.
DC-Fehlerströme einfach erklärt
Wallboxen enthalten Gleichrichter und Leistungselektronik.
Kommt es zu einem Isolationsfehler, können glatte Gleichfehlerströme entstehen.
Diese können:
- Typ A Fehlerstromschutzschalter sättigen
- die Schutzwirkung außer Kraft setzen
- gefährliche Situationen verursachen
Ein FI Typ B erkennt:
- Wechselströme (AC)
- pulsierende Gleichströme
- glatte Gleichströme
Damit bietet er die umfassendste Schutzfunktion.
Typ A EV oder Typ B – was ist sinnvoll?
Der Typ A EV wurde speziell für Ladeeinrichtungen entwickelt und enthält eine DC-Fehlerstromüberwachung bis 6 mA.
Unterschied:
- Typ A EV: begrenzte DC-Erkennung
- Typ B: vollständige DC-Erkennung
Im gewerblichen oder sicherheitskritischen Umfeld wird häufig Typ B bevorzugt.
Praxisbeispiel:
Private Garage mit 11 kW Wallbox
Gegeben:
- 11 kW Wallbox ohne integrierte DC-Erkennung
- separate Leitung vom Verteiler
- Vorsicherung 3 × 16 A
Empfehlung:
- FI Typ B 40 A / 30 mA
- separate Absicherung
- normgerechte Installation durch Elektrofachbetrieb
Häufige Fragen
Ist FI Typ B bei einer Wallbox Pflicht?
Ja, sofern keine integrierte DC-Überwachung ≥ 6 mA vorhanden ist.
Reicht 40 A bei 22 kW?
In den meisten Fällen nicht. 63 A ist hier die übliche Dimensionierung.
Kann ich einen vorhandenen Typ A weiterverwenden?
Nur wenn die Wallbox eine eigene DC-Erkennung besitzt und dies normkonform bestätigt ist.
Warum löst mein FI beim Laden aus?
Mögliche Ursachen sind Ableitströme, falsche Dimensionierung oder Mischbetrieb mit anderen Verbrauchern.
Technisches Whitepaper zum Download
Eine ausführliche technische Ausarbeitung zur normgerechten Auswahl gemäß DIN VDE 0100-722 steht als Whitepaper zur Verfügung.
Das Dokument behandelt:
- normative Grundlagen
- Vergleich Typ A EV und Typ B
- Dimensionierung 40 A / 63 A
- Planung bei 11 kW und 22 kW
- Mehrfachinstallationen und Gewerbe
Fazit
Wallboxen stellen besondere Anforderungen an den Fehlerstromschutz.
Die Auswahl eines geeigneten FI Typ B richtet sich nach:
- Ladeleistung (11 kW oder 22 kW)
- Vorsicherung
- Installationsumgebung
- normativen Vorgaben
Ein korrekt dimensionierter FI Typ B bietet umfassenden Schutz vor AC- und DC-Fehlerströmen und ist insbesondere bei Wallboxen ohne integrierte DC-Erkennung die technisch sichere Lösung.