FI Typ B in PV-Anlagen – Schutzmaßnahmen nach DIN VDE 0100-712

Einleitung

Photovoltaikanlagen gehören heute zu den wichtigsten Komponenten moderner Energieversorgung. Immer mehr Gebäude werden mit PV-Systemen ausgestattet, häufig kombiniert mit Batteriespeichern, Hybrid-Wechselrichtern und intelligenten Energiemanagementsystemen.

Mit der zunehmenden Verbreitung solcher Systeme steigen auch die Anforderungen an die elektrische Sicherheit.

Ein zentraler Bestandteil der Schutzmaßnahmen elektrischer Anlagen ist der Fehlerstromschutz. Fehlerstromschutzschalter (RCD – Residual Current Devices) erkennen gefährliche Fehlerströme und schalten Stromkreise automatisch ab, um Personen und Anlagen zu schützen.

Während klassische Gebäudeinstallationen meist mit FI-Schaltern vom Typ A abgesichert werden, können Photovoltaikanlagen besondere elektrische Eigenschaften aufweisen. Leistungselektronik in Wechselrichtern kann Fehlerstromanteile erzeugen, die Gleichstromkomponenten enthalten.

Unter bestimmten Bedingungen kann dies Auswirkungen auf die Funktionsweise bestimmter Fehlerstromschutzschalter haben.

Dieses Whitepaper erläutert die technischen Hintergründe von Fehlerströmen in Photovoltaikanlagen, beschreibt die relevanten Normanforderungen und zeigt auf, welche Schutzmaßnahmen bei Planung und Installation berücksichtigt werden sollten.

Aufbau moderner Photovoltaikanlagen

Photovoltaikanlagen bestehen aus mehreren elektrischen Komponenten, die zusammen ein System zur Energieerzeugung bilden.

Zu den wichtigsten Bestandteilen gehören:

PV-Module

Die Module wandeln Sonnenlicht in elektrische Energie um und erzeugen Gleichstrom. Mehrere Module werden zu sogenannten Strings verschaltet.

DC-Verkabelung

Der erzeugte Gleichstrom wird über DC-Leitungen zum Wechselrichter geführt. Diese Leitungen müssen für hohe Gleichspannungen ausgelegt sein und besondere Anforderungen an Isolation und Schutz erfüllen.

Wechselrichter

Der Wechselrichter ist das zentrale Element der Anlage. Er wandelt den erzeugten Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom um.

Moderne Geräte erfüllen mehrere Funktionen:

  • Umwandlung von Gleichstrom in Wechselstrom
  • Netzüberwachung
  • Leistungsregelung
  • Kommunikation mit Energiemanagementsystemen

Dabei kommen häufig Leistungshalbleiter und komplexe elektronische Schaltungen zum Einsatz.

Netzanschluss

Der erzeugte Wechselstrom wird in das Gebäude-Netz oder direkt in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

Fehlerstromarten in Photovoltaikanlagen

In elektrischen Anlagen können verschiedene Arten von Fehlerströmen auftreten.

Zu den wichtigsten gehören:

  • Wechselstromfehlerströme
  • pulsierende Gleichfehlerströme
  • glatte Gleichfehlerströme

Wechselstromfehlerströme

Diese entstehen beispielsweise bei Isolationsfehlern oder beschädigten Leitungen.

Pulsierende Gleichfehlerströme

Sie entstehen häufig durch elektronische Bauteile wie Gleichrichter oder Leistungshalbleiter.

Glatte Gleichfehlerströme

Diese Fehlerstromart kann in bestimmten elektronischen Systemen entstehen und stellt besondere Anforderungen an Fehlerstromschutzschalter.

Ein wichtiger technischer Zusammenhang ist dabei die sogenannte DC-Vormagnetisierung, bei der Gleichstromanteile den magnetischen Kern eines Fehlerstromschutzschalters beeinflussen können.

Fehlerstromschutzschalter im Vergleich

Fehlerstromschutzschalter unterscheiden sich hinsichtlich der Fehlerstromarten, die sie erkennen können.

FI Typ AC

Erkennt ausschließlich sinusförmige Wechselstromfehler.

Dieser Typ wird in modernen Installationen kaum noch eingesetzt.

FI Typ A

Erkennt:

  • sinusförmige Wechselströme
  • pulsierende Gleichfehlerströme

Dieser Typ ist heute Standard in vielen Gebäudeinstallationen.

FI Typ B

FI-Schalter vom Typ B erkennen zusätzlich:

  • glatte Gleichfehlerströme
  • hochfrequente Fehlerstromanteile

Dadurch sind sie für Anwendungen mit Leistungselektronik geeignet.

Typische Einsatzbereiche sind beispielsweise:

  • Frequenzumrichter
  • Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge
  • bestimmte Photovoltaikanlagen

Normanforderungen für PV-Anlagen

Für Photovoltaikanlagen gelten mehrere elektrotechnische Normen.

Eine zentrale Rolle spielt:

DIN VDE 0100-712

Diese Norm behandelt die Errichtung elektrischer Anlagen von Photovoltaik-Systemen.

Sie beschreibt Anforderungen an:

  • Planung und Installation
  • Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag
  • Auswahl von Schutzgeräten
  • Integration von PV-Systemen in bestehende Installationen

Weitere relevante Normen sind:

DIN VDE 0100-410
Schutz gegen elektrischen Schlag.

DIN VDE 0100-530
Auswahl und Errichtung von Schalt- und Schutzgeräten.

Die Normen definieren keine pauschale Verpflichtung zur Verwendung eines bestimmten FI-Typs. Entscheidend ist vielmehr die technische Auslegung der Anlage sowie die Eigenschaften der eingesetzten Komponenten.

Hybrid-Wechselrichter und Batteriespeicher

Moderne Photovoltaikanlagen werden zunehmend mit Batteriespeichern kombiniert. Diese ermöglichen eine Speicherung überschüssiger Energie und erhöhen den Eigenverbrauch.

Viele Systeme arbeiten mit sogenannten Hybrid-Wechselrichtern, die sowohl die Energie der PV-Module als auch den Betrieb der Batteriespeicher steuern.

Durch die eingesetzte Leistungselektronik entstehen unterschiedliche Betriebszustände, beispielsweise:

  • Netzparallelbetrieb
  • Inselbetrieb
  • Umschaltungen zwischen verschiedenen Betriebsmodi

Diese Betriebszustände können Einfluss auf das Fehlerstromverhalten der Anlage haben.

Planung der Schutzmaßnahmen

Die Planung elektrischer Schutzmaßnahmen ist ein zentraler Bestandteil jeder PV-Installation.

Dabei müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden:

  • Aufbau der Anlage
  • Wechselrichtertyp
  • Integration von Batteriespeichern
  • Herstellerangaben der eingesetzten Geräte
  • Netzform der elektrischen Installation

Eine normgerechte Planung sorgt für einen sicheren und zuverlässigen Betrieb der Anlage.

Fazit

Photovoltaikanlagen sind komplexe elektrische Systeme, die besondere Anforderungen an Planung und Installation stellen.

Leistungselektronik in Wechselrichtern, Hybrid-Systemen und Batteriespeichern kann das Fehlerstromverhalten einer Anlage beeinflussen. Daher ist die Auswahl geeigneter Schutzmaßnahmen ein wichtiger Bestandteil der Anlagenplanung.

Fehlerstromschutzschalter spielen dabei eine zentrale Rolle im Schutzkonzept elektrischer Installationen.

Eine sorgfältige Planung unter Berücksichtigung der geltenden Normen sowie der Herstellerangaben trägt wesentlich zur sicheren und zuverlässigen Funktion von Photovoltaikanlagen bei.

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