DIN VDE 0100-722 einfach erklärt – Anforderungen für Wallboxen
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Warum diese Norm für Wallboxen entscheidend ist
Wer eine Wallbox installiert, stößt schnell auf die DIN VDE 0100-722. Diese Norm regelt die Anforderungen an Stromkreise für das Laden von Elektrofahrzeugen und ist die zentrale Grundlage für eine normgerechte Installation.
Sie ist Teil der DIN VDE 0100-Reihe und behandelt speziell:
„Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Stromversorgung von Elektrofahrzeugen“
Für Installateure und Betreiber ist sie maßgeblich bei der Auswahl von Leitungsschutz, FI-Schutz und Dimensionierung.
Kernforderung der DIN VDE 0100-722
Die wichtigste Aussage der Norm lautet:
Ladeeinrichtungen müssen gegen Gleichfehlerströme ≥ 6 mA geschützt sein.
Warum?
Weil Elektrofahrzeuge und Wallboxen Leistungselektronik enthalten, die im Fehlerfall glatte Gleichfehlerströme erzeugen kann. Diese können herkömmliche FI Typ A Schutzschalter beeinflussen oder in ihrer Funktion einschränken.
Was bedeutet das konkret für die Praxis?
Die Norm verlangt eine der folgenden Lösungen:
- Einsatz eines FI Typ B
oder - Einsatz eines FI Typ A EV
oder - Integrierte DC-Fehlerstromüberwachung ≥ 6 mA in der Wallbox
Fehlt eine dieser Schutzmaßnahmen, ist die Installation nicht normkonform.
Weitere wichtige Anforderungen der Norm
Neben der DC-Überwachung enthält DIN VDE 0100-722 auch Vorgaben zu:
- separater Absicherung des Stromkreises
- geeigneter Vorsicherung
- Schutz gegen Überlast und Kurzschluss
- allpoliger Abschaltung bei Drehstrom
- Berücksichtigung von Dauerlast
Wallboxen gelten als Dauerlast-Verbraucher und müssen entsprechend ausgelegt werden.
Gilt die Norm für 11 kW und 22 kW gleichermaßen?
Ja.
Die DIN VDE 0100-722 unterscheidet nicht zwischen 11 kW und 22 kW hinsichtlich der DC-Überwachungspflicht. Die Ladeleistung beeinflusst lediglich:
- Bemessungsstrom des FI
- Vorsicherung
- Leitungsquerschnitt
Nicht jedoch die Notwendigkeit des Schutzkonzepts.
Häufige Missverständnisse zur DIN VDE 0100-722
„Die Norm schreibt zwingend FI Typ B vor.“
→ Nein. Sie fordert DC-Fehlerstromschutz. Typ B ist eine mögliche Lösung.
„Bei integrierter DC-Überwachung braucht man keinen FI mehr.“
→ Falsch. Ein FI ist weiterhin erforderlich – nur nicht zwingend Typ B.
„Die Norm gilt nur für gewerbliche Anlagen.“
→ Nein. Sie gilt für jede fest installierte Ladeeinrichtung.
Praxisbeispiel
Private 11 kW Wallbox:
- Separate Leitung
- Vorsicherung 3 × 16 A
- Keine integrierte DC-Überwachung
Erforderlich:
FI Typ B 40 A / 30 mA oder alternative DC-Überwachungslösung.
Warum die Norm so wichtig ist
Die DIN VDE 0100-722 dient dem:
- Schutz von Personen
- Schutz der Anlage
- Sicherstellung normgerechter Installation
- Vermeidung von Haftungsrisiken
Eine nicht normkonforme Installation kann im Schadensfall erhebliche rechtliche Folgen haben.
Fazit
Die DIN VDE 0100-722 schreibt für Wallboxen einen Schutz gegen Gleichfehlerströme ≥ 6 mA vor. Dieser kann durch einen FI Typ B, einen Typ A EV oder eine integrierte DC-Überwachung umgesetzt werden.
Für eine sichere und normkonforme Installation müssen zusätzlich Vorsicherung, Leitungsquerschnitt und allpolige Abschaltung berücksichtigt werden.
Die konkrete Auslegung sollte stets durch einen qualifizierten Elektrofachbetrieb erfolgen.
Weiterführende Informationen
Wenn Sie sich intensiver mit der Auswahl und Installation eines FI Typ B für Wallboxen beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende technische Informationen:
• FI Typ B für Wallbox – Normen & Auswahl
• FI Typ B für Wallbox – Normativer Rahmen nach DIN VDE 0100-722
• FI Typ B 40A oder 63A bei 22 kW Wallbox?
• FI Typ B im Einfamilienhaus richtig planen
• Checkliste: FI Typ B für Wallbox richtig auswählen