Kurzzeitverzögerung bei FI Typ B für Wallbox – sinnvoll oder nicht?
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Was bedeutet „Kurzzeitverzögerung“ bei einem FI?
Ein FI mit Kurzzeitverzögerung (selektiver FI, Typ S) löst nicht sofort aus, sondern mit einer definierten Verzögerung. Ziel ist es, in komplexen Anlagen eine Selektivität zu erreichen – also zu verhindern, dass mehrere Schutzorgane gleichzeitig abschalten.
Doch stellt sich die Frage:
Ist eine Kurzzeitverzögerung bei einer Wallbox sinnvoll oder sogar erforderlich?
Normative Betrachtung
Die DIN VDE 0100-722 fordert bei Ladeeinrichtungen:
- Schutz gegen Gleichfehlerströme ≥ 6 mA
- geeignete Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen
Eine Kurzzeitverzögerung wird dort nicht generell gefordert.
In typischen Einfamilienhaus-Installationen ist ein sofort auslösender FI (30 mA) üblich und normgerecht.
Wann wird Kurzzeitverzögerung eingesetzt?
Kurzzeitverzögerte FI werden häufig in:
- Industrieanlagen
- Mehrfachverteilungen
- großen Gewerbeanlagen
- Anlagen mit übergeordnetem Haupt-FI
eingesetzt, um eine abgestufte Abschaltung zu ermöglichen.
Beispiel:
- Haupt-FI selektiv
- nachgeschaltete FI ohne Verzögerung
So löst nur der betroffene Stromkreis aus.
Ist das bei einer einzelnen Wallbox notwendig?
In den meisten privaten Installationen:
- separate Zuleitung
- eigener FI
- keine weitere FI-Staffelung
ist eine Kurzzeitverzögerung nicht erforderlich.
Ein normaler FI Typ B 30 mA ohne Verzögerung erfüllt die Schutzanforderungen vollständig.
Wann kann eine Verzögerung sinnvoll sein?
Eine selektive Ausführung kann sinnvoll sein, wenn:
- mehrere Ladepunkte installiert sind
- ein übergeordneter FI vorhanden ist
- eine größere Anlage mit mehreren Unterverteilungen betrieben wird
- Auslösekoordination geplant ist
In solchen Fällen erfolgt die Auslegung jedoch im Rahmen einer Gesamtplanung.
Risiko bei falscher Anwendung
Eine unpassend eingesetzte Kurzzeitverzögerung kann:
- die Abschaltzeit verlängern
- Personenschutz beeinträchtigen
- normwidrige Konstellationen erzeugen
Gerade bei Ladeeinrichtungen steht der Personenschutz im Vordergrund.
Unterschied zwischen Typ B und Typ B selektiv
Ein FI Typ B ohne Zusatz „S“:
- löst unmittelbar aus
- ist für Endstromkreise üblich
Ein FI Typ B S (selektiv):
- besitzt eine definierte Zeitverzögerung
- wird typischerweise als übergeordneter Schutz eingesetzt
Für einzelne Wallbox-Stromkreise ist meist die nicht-selektive Variante vorgesehen.
Praxisbeispiel
Einfamilienhaus mit 11 kW Wallbox:
- eigener Stromkreis
- eigener FI Typ B 40 A / 30 mA
- keine weiteren FI in Reihe
Hier ist keine Kurzzeitverzögerung notwendig.
Gewerbeanlage mit mehreren Ladepunkten:
- Haupt-FI selektiv
- Unter-FI je Ladepunkt
Hier kann eine abgestufte Schutzstrategie sinnvoll sein.
Fazit
Eine Kurzzeitverzögerung bei FI Typ B ist für typische private Wallbox-Installationen nicht erforderlich.
Sie kommt vor allem in größeren oder mehrstufigen Anlagen zur Anwendung, um Selektivität sicherzustellen.
Für einzelne Ladepunkte mit eigener Absicherung ist ein FI Typ B ohne Verzögerung in der Regel die normgerechte und praxisübliche Lösung.
Weiterführende Informationen
Wenn Sie sich intensiver mit der Auswahl und Installation eines FI Typ B für Wallboxen beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende technische Informationen:
• FI Typ B für Wallbox – Normen & Auswahl
• FI Typ B für Wallbox – Normativer Rahmen nach DIN VDE 0100-722
• FI Typ B ohne Kurzzeitverzögerung – Vorteile bei Wallbox
• FI Typ B für Gewerbe-Ladeparks – worauf ist zu achten?
• FI Typ B im Einfamilienhaus richtig planen