FI Typ B für Gewerbe-Ladeparks – worauf ist zu achten?
Share
Warum Gewerbe-Ladeparks besondere Anforderungen haben
Im Gegensatz zur privaten Einzel-Wallbox gelten bei gewerblichen Ladeparks deutlich höhere Anforderungen. Typische Merkmale sind:
- mehrere Ladepunkte (AC oder DC)
- Dauerlastbetrieb
- wechselnde Nutzer
- hohe Gesamtanschlussleistung
- komplexe Unterverteilungen
Hier spielt die richtige Auswahl des FI Typ B eine zentrale Rolle.
Normative Grundlage
Auch im Gewerbe gilt die DIN VDE 0100-722:
Ladeeinrichtungen müssen gegen DC-Fehlerströme ≥ 6 mA geschützt sein.
Zusätzlich sind weitere Aspekte zu berücksichtigen:
- Selektivität zwischen Schutzorganen
- Kurzschluss- und Überlastschutz
- thermische Dauerbelastung
- Dokumentationspflicht
Warum Typ B im Gewerbe häufig bevorzugt wird
In gewerblichen Anlagen kommen oft mehrere Faktoren zusammen:
- mehrere Ladepunkte an einer Unterverteilung
- hohe Dauerlast (z. B. 22 kW je Ladepunkt)
- zusätzliche Leistungselektronik
- mögliche Erweiterung
Ein FI Typ B bietet:
- vollständige Erkennung glatter DC-Fehlerströme
- höhere Betriebssicherheit
- robuste Auslegung bei komplexer Laststruktur
Dimensionierung im Ladepark
Bei mehreren 22 kW Ladepunkten können hohe Gesamtströme auftreten.
Wichtige Punkte:
- Bemessungsstrom des FI (z. B. 63 A oder höher)
- ausreichende thermische Reserve
- saubere Lastverteilung
- getrennte Absicherung je Ladepunkt
Eine gemeinsame Absicherung mehrerer Ladepunkte führt häufig zu Problemen durch Summenableitströme.
Selektivität im Gewerbebereich
In größeren Anlagen werden häufig:
- selektive Haupt-FI (Typ S)
- nachgeschaltete FI je Ladepunkt
eingesetzt.
Ziel ist es, bei einem Fehler nicht die gesamte Anlage abzuschalten.
Die Schutzkoordination muss systematisch geplant werden.
Summenableitströme als Hauptproblem
In Ladeparks addieren sich betriebsbedingte Ableitströme.
Beispiel:
5 Ladepunkte × 10 mA = 50 mA Summenableitstrom
Ein gemeinsamer 30 mA FI würde hier regelmäßig auslösen.
Daher gilt im Gewerbe:
Separate FI je Ladepunkt sind meist die technisch sichere Lösung.
11 kW vs. 22 kW im Gewerbe
Die Ladeleistung beeinflusst:
- Bemessungsstrom
- thermische Belastung
- Leitungsdimensionierung
Nicht jedoch die grundsätzliche DC-Überwachungspflicht.
Bei 22 kW Dauerbetrieb ist jedoch eine großzügige Auslegung empfehlenswert.
Praxisbeispiel
Gewerbepark mit 4 × 22 kW Ladepunkten:
Variante 1:
Ein gemeinsamer FI Typ B
→ häufige Auslösungen
Variante 2:
Je Ladepunkt ein eigener FI Typ B 63 A
→ stabile Anlage, klare Fehlerzuordnung
Fazit
Bei Gewerbe-Ladeparks ist die Auswahl und Dimensionierung des FI Typ B entscheidend für Betriebssicherheit und Verfügbarkeit.
Wichtige Aspekte sind:
- DC-Fehlerstromschutz gemäß DIN VDE 0100-722
- ausreichende thermische Reserve
- Vermeidung von Summenableitströmen
- saubere Selektivitätsplanung
In der Praxis ist eine Einzelabsicherung je Ladepunkt meist die robusteste und zukunftssichere Lösung.
Weiterführende Informationen
Wenn Sie sich intensiver mit der Auswahl und Installation eines FI Typ B für Wallboxen beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende technische Informationen:
• FI Typ B für Wallbox – Normen & Auswahl
• FI Typ B für Wallbox – Normativer Rahmen nach DIN VDE 0100-722
• Mehrere Wallboxen über einen FI – zulässig oder problematisch?
• Kurzzeitverzögerung bei FI Typ B Wallbox – sinnvoll oder nicht?
• FI Typ B 40A oder 63A bei 22 kW Wallbox?