FI Typ B ohne Kurzzeitverzögerung – Vorteile bei Wallbox

Warum bei Wallboxen meist kein selektiver FI eingesetzt wird

Bei der Planung einer Ladeeinrichtung stellt sich oft die Frage, ob ein FI Typ B mit Kurzzeitverzögerung (selektiv) erforderlich ist – oder ob ein FI Typ B ohne Verzögerung die bessere Wahl ist.

In den meisten privaten und vielen gewerblichen Installationen ist die nicht-selektive Variante technisch sinnvoll und normgerecht.

Was bedeutet „ohne Kurzzeitverzögerung“?

Ein FI Typ B ohne Zusatz „S“:

  • löst unmittelbar aus
  • reagiert direkt bei Erreichen des Auslösestroms (z. B. 30 mA)
  • ist für Endstromkreise vorgesehen

Er dient dem unmittelbaren Personenschutz.

Vorteile bei Wallbox-Installationen
1. Direkter Personenschutz

Wallboxen arbeiten mit hohen Strömen (11 kW oder 22 kW).
Ein sofort auslösender FI sorgt dafür, dass bei Auftreten eines Fehlerstroms keine unnötige Verzögerung entsteht.

2. Normgerechte Lösung für Einzelstromkreise

Die DIN VDE 0100-722 fordert:

  • DC-Fehlerstromschutz ≥ 6 mA
  • geeignete Schutzmaßnahmen

Eine Kurzzeitverzögerung ist bei einem separaten Endstromkreis nicht vorgeschrieben.

3. Keine Selektivitätsanforderung bei Einzelinstallation

Wenn:

  • die Wallbox einen eigenen Stromkreis besitzt
  • kein weiterer FI in Reihe geschaltet ist

besteht keine Notwendigkeit für eine abgestufte Schutzstrategie.

4. Geringere Komplexität

Ein FI ohne Verzögerung:

  • ist einfacher auszulegen
  • reduziert Planungsfehler
  • vermeidet falsche Staffelung

Das ist insbesondere im privaten Bereich vorteilhaft.

Wann wäre eine Kurzzeitverzögerung sinnvoll?

Eine selektive Variante (Typ B S) kommt eher infrage bei:

  • großen Gewerbeanlagen
  • mehreren Unterverteilungen
  • mehreren Ladepunkten mit übergeordnetem Haupt-FI
  • komplexer Schutzkoordination

Hier steht die Selektivität zwischen mehreren Schutzorganen im Vordergrund.

Unterschied in der Praxis

Private 11 kW Wallbox:

  • separate Zuleitung
  • eigener FI Typ B 40 A / 30 mA
  • keine weitere FI-Staffelung

→ FI ohne Kurzzeitverzögerung ist technisch korrekt.

Gewerbeanlage mit 5 Ladepunkten:

  • zentraler Haupt-FI
  • Unterverteilung mit Einzelabsicherung

→ Selektive Abstufung kann geplant werden.

Sicherheitsaspekt

Bei Ladeeinrichtungen steht der Personenschutz im Vordergrund.
Eine unnötige Verzögerung kann im Fehlerfall die Abschaltzeit verlängern.

Daher ist für Endstromkreise in der Regel ein sofort auslösender FI vorgesehen.

Fazit

Ein FI Typ B ohne Kurzzeitverzögerung ist bei typischen Wallbox-Installationen die praxisübliche und normgerechte Lösung.

Er bietet:

  • unmittelbaren Personenschutz
  • einfache Auslegung
  • klare Schutzfunktion

Selektive Varianten sind vor allem für komplexe, mehrstufige Anlagen vorgesehen – nicht für einzelne Ladepunkte im privaten Bereich.

 

Weiterführende Informationen

Wenn Sie sich intensiver mit der Auswahl und Installation eines FI Typ B für Wallboxen beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende technische Informationen:

• FI Typ B für Wallbox – Normen & Auswahl
• FI Typ B für Wallbox – Normativer Rahmen nach DIN VDE 0100-722
• Kurzzeitverzögerung bei FI Typ B für Wallbox – sinnvoll oder nicht?
• FI Typ B 40A oder 63A bei 22 kW Wallbox?
• FI Typ B im Einfamilienhaus richtig planen

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