FI Typ B bei PV + Wallbox Kombination – worauf ist zu achten?

Wenn Photovoltaik und Wallbox aufeinandertreffen

Immer häufiger werden Wallboxen in Anlagen integriert, die bereits eine Photovoltaik-Anlage (PV) besitzen. Dadurch entstehen komplexere elektrische Strukturen mit mehreren Leistungselektroniken im selben System.

Die zentrale Frage lautet:

Wie muss der FI Typ B bei einer PV + Wallbox Kombination ausgelegt werden?

Warum diese Kombination technisch anspruchsvoller ist

Sowohl PV-Anlagen als auch Wallboxen enthalten:

  • Wechselrichter
  • Leistungselektronik
  • EMV-Filter
  • Gleichrichter

Beide Systeme können im Fehlerfall:

  • DC-Fehlerströme
  • Ableitströme
  • Oberwellen

erzeugen.

Die Schutzstrategie muss daher gesamtheitlich betrachtet werden.

Normative Grundlagen

Für Wallboxen gilt die DIN VDE 0100-722.
Für PV-Anlagen ist insbesondere die DIN VDE 0100-712 relevant.

Beide Normen enthalten Anforderungen an:

  • Fehlerstromschutz
  • DC-Überwachung
  • geeignete Schutzgeräte

Wichtig: Die Schutzmaßnahmen der PV ersetzen nicht automatisch die Anforderungen der Wallbox.

Typische Fehler in Kombinationsanlagen

Häufige Praxisfehler sind:

  • Gemeinsamer FI für PV und Wallbox
  • Unzureichende Dimensionierung
  • Nichtbeachtung von Summenableitströmen
  • Fehlende Trennung der Stromkreise

Gerade bei gemeinsamen FI können sich Ableitströme addieren und zu unerwünschten Auslösungen führen.

Separate Absicherung empfohlen

In der Praxis hat sich bewährt:

  • Eigener FI für die Wallbox
  • Separate Absicherung der PV-Anlage
  • Klare Trennung der Stromkreise

Dies reduziert:

  • Summenableitströme
  • Fehlersuche-Komplexität
  • Auslösewahrscheinlichkeit
  • DC-Fehlerstrombetrachtung

Sowohl PV-Wechselrichter als auch Wallboxen können DC-Anteile erzeugen.

Ein FI Typ B bietet hier:

  • umfassende DC-Erkennung
  • hohe Betriebssicherheit
  • robuste Schutzfunktion

Bei integrierter DC-Überwachung in der Wallbox kann auch ein Typ A EV zulässig sein – die Gesamtanlage ist jedoch zu berücksichtigen.

Dimensionierung bei 22 kW + PV

Bei einer 22 kW Wallbox zusätzlich zur PV-Anlage sollte besonders auf:

  • thermische Reserve
  • ausreichenden Bemessungsstrom (z. B. 63 A)
  • saubere Klemmenverbindungen
  • ausreichend dimensionierte Leitungen

geachtet werden.

Praxisbeispiel

Einfamilienhaus mit:

  • 10 kWp PV-Anlage
  • Hybrid-Wechselrichter
  • 22 kW Wallbox

Variante 1:
Gemeinsamer FI für beide Systeme
→ erhöhte Auslösungsanfälligkeit

Variante 2:
Getrennter FI Typ B für Wallbox
→ stabile Funktion, klare Schutzstruktur

Häufige Missverständnisse

„Die PV hat doch schon einen FI.“
→ Das ersetzt nicht automatisch die Schutzanforderung der Wallbox.

„Ein gemeinsamer FI spart Kosten.“
→ Kann langfristig zu Betriebsproblemen führen.

„DC-Schutz ist nur bei der Wallbox relevant.“
→ Beide Systeme enthalten Leistungselektronik.

Fazit

Bei Kombination von PV-Anlage und Wallbox ist eine saubere Trennung der Stromkreise entscheidend.

Ein separater FI Typ B für die Wallbox erhöht:

  • Betriebssicherheit
  • Fehlersicherheit
  • Zukunftsfähigkeit der Anlage

Die Auslegung sollte immer unter Berücksichtigung beider Normen und der Gesamtstruktur erfolgen.

 

Weiterführende Informationen

Wenn Sie sich intensiver mit der Auswahl und Installation eines FI Typ B für Wallboxen beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende technische Informationen:

• FI Typ B für Wallbox – Normen & Auswahl
• FI Typ B für Wallbox – Normativer Rahmen nach DIN VDE 0100-722
• Summenableitströme bei mehreren Wallboxen – warum FI auslöst
• FI Typ B für Gewerbe-Ladeparks – worauf ist zu achten?
• FI Typ B im Einfamilienhaus richtig planen

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