Summenableitströme bei mehreren Wallboxen – warum FI auslöst
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Warum mehrere Ladepunkte problematisch werden können
Mit steigender Anzahl an Wallboxen in Garagen, Mehrfamilienhäusern oder Gewerbeanlagen tritt ein häufig unterschätztes Phänomen auf:
Summenableitströme.
Selbst wenn jede einzelne Wallbox technisch einwandfrei funktioniert, kann der gemeinsame Betrieb mehrere Ladepunkte dazu führen, dass der FI Typ B auslöst – obwohl kein klassischer Fehler vorliegt.
Was sind Ableitströme?
Moderne Wallboxen und Elektrofahrzeuge enthalten:
- Gleichrichter
- Schaltnetzteile
- EMV-Filter
- Leistungselektronik
Diese Bauteile erzeugen betriebsbedingt geringe Ableitströme gegen Erde. Das ist technisch normal.
Typische Werte pro Ladepunkt können im Bereich von:
5–15 mA
liegen – abhängig vom Fahrzeug und der Wallbox.
Was passiert bei mehreren Wallboxen?
Wenn mehrere Ladepunkte über denselben FI betrieben werden, addieren sich die Ableitströme.
Beispiel:
Wallbox 1 → 10 mA
Wallbox 2 → 12 mA
Wallbox 3 → 8 mA
Ergebnis: 30 mA Summenableitstrom
Ein FI mit 30 mA Auslöseschwelle kann hier auslösen – obwohl kein Isolationsfehler vorliegt.
Warum reagiert der FI korrekt?
Ein FI misst die Differenz zwischen Hin- und Rückstrom.
Er „weiß“ nicht, ob der Differenzstrom durch:
- einen Defekt
- oder betriebsbedingte Ableitströme
verursacht wird.
Wird die 30 mA-Schwelle überschritten, erfolgt die Auslösung – normgerecht.
Besonders kritisch bei 22 kW
Bei 22 kW Ladepunkten fließen:
3 × 32 A Dauerstrom
Die höhere Leistung kann:
- stärkere EMV-Filteraktivität
- höhere Ableitströme
verursachen.
Mehrere 22 kW Ladepunkte an einem FI erhöhen das Risiko deutlich.
Weitere Einflussfaktoren
Summenableitströme werden verstärkt durch:
- lange Leitungswege
- hohe Umgebungstemperatur
- zusätzliche Verbraucher am selben FI
- feuchte Umgebung
- Oberwellenbelastung
Gerade Mischinstallationen sind anfällig.
Technische Lösungen
Um unerwünschte Auslösungen zu vermeiden, empfiehlt sich:
- Separate FI je Ladepunkt
- Saubere Lastverteilung
- Ausreichende Dimensionierung (z. B. 63 A bei 22 kW)
- Vermeidung gemeinsamer Absicherung mit anderen Stromkreisen
Eine vorausschauende Planung ist hier entscheidend.
Praxisbeispiel
Tiefgarage mit drei 11 kW Wallboxen:
Variante 1:
Ein FI Typ B 63 A für alle Ladepunkte
→ sporadische Auslösungen bei gleichzeitiger Ladung
Variante 2:
Je Ladepunkt ein eigener FI
→ stabile Funktion ohne Auslösungen
Häufige Missverständnisse
„Der FI ist defekt.“
→ Meist liegt es an Summenableitströmen.
„Größerer FI löst nicht aus.“
→ Der Bemessungsstrom (40 A / 63 A) beeinflusst nicht die 30 mA-Auslöseschwelle.
„Das betrifft nur Gewerbeanlagen.“
→ Auch im Einfamilienhaus mit zwei Ladepunkten möglich.
Fazit
Summenableitströme entstehen durch betriebsbedingte Ableitströme moderner Ladeelektronik. Bei mehreren Wallboxen addieren sich diese Ströme und können die 30 mA-Auslöseschwelle erreichen.
Eine separate Absicherung je Ladepunkt ist in vielen Fällen die technisch stabilere und betriebssichere Lösung.
Weiterführende Informationen
Wenn Sie sich intensiver mit der Auswahl und Installation eines FI Typ B für Wallboxen beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende technische Informationen:
• FI Typ B für Wallbox – Normen & Auswahl
• FI Typ B für Wallbox – Normativer Rahmen nach DIN VDE 0100-722
• Mehrere Wallboxen über einen FI – zulässig oder problematisch?
• FI Typ B löst beim Laden aus – Ursachen und Lösungen
• FI Typ B wird warm bei 22 kW Wallbox – normal oder Problem?