11 kW vs. 22 kW Wallbox – Einfluss auf die FI-Auswahl

Macht die Ladeleistung einen Unterschied beim FI?

Bei der Planung einer Wallbox stellt sich häufig die Frage:

Beeinflusst die Ladeleistung (11 kW oder 22 kW) die Auswahl des FI Typ B?

Die kurze Antwort lautet:

Ja – aber nicht in Bezug auf die DC-Überwachungspflicht, sondern auf die Dimensionierung.

Was bleibt bei 11 kW und 22 kW gleich?

Unabhängig von der Ladeleistung gilt gemäß DIN VDE 0100-722:

  • Schutz gegen DC-Fehlerströme ≥ 6 mA ist erforderlich
  • Eine geeignete Fehlerstrom-Schutzeinrichtung muss installiert werden

Die DC-Anforderung gilt sowohl für 11 kW als auch für 22 kW.

Wo liegt der Unterschied?

Der Unterschied betrifft vor allem:

  • Strombelastung
  • thermische Auslegung
  • Bemessungsstrom des FI

11 kW Wallbox

Typische Auslegung:

  • 3 × 16 A
  • Dauerstrom pro Phase: 16 A

Hier ist in der Praxis häufig ausreichend:

FI Typ B 40 A / 30 mA

Die thermische Reserve ist bei 40 A meist komfortabel.

22 kW Wallbox

Typische Auslegung:

  • 3 × 32 A
  • Dauerstrom pro Phase: 32 A

Ein 40 A FI arbeitet hier nahe seiner Dauergrenze.

Daher wird häufig empfohlen:

FI Typ B 63 A / 30 mA

Die höhere Reserve reduziert Erwärmung und erhöht die Lebensdauer.

Thermische Betrachtung

Vergleich bei Dauerbetrieb:

11 kW (16 A) an 40 A FI
→ ca. 40 % Auslastung

22 kW (32 A) an 40 A FI
→ ca. 80 % Auslastung

22 kW (32 A) an 63 A FI
→ ca. 50 % Auslastung

Mehr Reserve bedeutet:

  • geringere Bauteilbelastung
  • stabilere Betriebstemperatur
  • höhere Betriebssicherheit

Einfluss auf Summenableitströme

Bei 22 kW entstehen durch höhere Leistung häufig:

  • stärkere EMV-Filteraktivität
  • höhere betriebsbedingte Ableitströme

Besonders bei mehreren Ladepunkten kann das relevant werden.

Selektivität und Gewerbeanlagen

Bei mehreren 22 kW Ladepunkten ist zusätzlich wichtig:

  • getrennte FI je Ladepunkt
  • saubere Schutzkoordination
  • ggf. selektive Haupt-FI

Hier steigt der Planungsaufwand deutlich.

Häufige Missverständnisse

„Bei 11 kW reicht immer Typ A.“
→ Falsch. Die DC-Überwachungspflicht bleibt bestehen.

„Bei 22 kW ist automatisch Typ B vorgeschrieben.“
→ Entscheidend ist die DC-Überwachung, nicht die Leistung.

„63 A löst später aus.“
→ Der Auslösestrom bleibt 30 mA – nur die Dauerstromfähigkeit steigt.

Praxisbeispiel

Privates Einfamilienhaus:

11 kW Wallbox
→ FI Typ B 40 A meist ausreichend.

Gewerbe mit 22 kW:

→ FI Typ B 63 A sinnvoll für thermische Reserve.

Fazit

Die Ladeleistung beeinflusst nicht die grundsätzliche DC-Schutzanforderung, wohl aber die Dimensionierung des FI.

11 kW → häufig 40 A ausreichend

22 kW → 63 A bietet mehr Reserve und Betriebssicherheit

Eine fachgerechte Auslegung unter Berücksichtigung von Dauerlast und Vorsicherung ist entscheidend.

 

Weiterführende Informationen

Wenn Sie sich intensiver mit der Auswahl und Installation eines FI Typ B für Wallboxen beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende technische Informationen:

• FI Typ B für Wallbox – Normen & Auswahl
• FI Typ B für Wallbox – Normativer Rahmen nach DIN VDE 0100-722
• FI Typ B für 11 kW Wallbox richtig auswählen
• FI Typ B für 22 kW Wallbox – welche Ausführung ist notwendig?
• FI Typ B 40A oder 63A bei 22 kW Wallbox?

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