FI Typ B für 22 kW Wallbox – welche Ausführung ist notwendig?

Warum 22 kW Wallboxen besondere Anforderungen stellen

Eine 22 kW Wallbox arbeitet dreiphasig mit 3 × 32 Ampere und zählt damit zu den leistungsstärksten Ladeeinrichtungen im privaten und gewerblichen Bereich. Im Vergleich zur 11 kW Variante entstehen hier:

  • höhere Dauerströme
  • stärkere thermische Belastungen
  • größere Anforderungen an Vorsicherung und Schutztechnik

Zusätzlich können – wie bei allen Ladeeinrichtungen – glatte Gleichfehlerströme (DC) auftreten. Diese erfordern gemäß DIN VDE 0100-722 eine geeignete Schutzmaßnahme.

Ist bei 22 kW ein FI Typ B zwingend erforderlich?

Die Norm fordert, dass Ladeeinrichtungen gegen DC-Fehlerströme ≥ 6 mA abgesichert sein müssen.

Das bedeutet:

Verfügt die Wallbox nicht über eine integrierte 6 mA DC-Fehlerstromüberwachung, ist ein FI Typ B erforderlich.

Besitzt sie eine normkonforme integrierte DC-Überwachung, kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Typ A EV ausreichen.

In der Praxis wird bei 22 kW häufig direkt ein FI Typ B eingesetzt, da:

  • höhere Leistungen betrieben werden
  • gewerbliche Installationen strengere Anforderungen haben
  • langfristige Betriebssicherheit im Vordergrund steht

40 A oder 63 A – welche Bemessung ist richtig?

Bei 22 kW beträgt der Betriebsstrom 32 A pro Phase. Entscheidend ist jedoch nicht nur der Betriebsstrom, sondern:

  • Höhe der Vorsicherung (oft 35 A oder 50 A)
  • Umgebungstemperatur im Verteiler
  • mögliche Erweiterung
  • zusätzliche Verbraucher auf dem gleichen FI

In den meisten Fällen ist ein:

  • FI Typ B 63 A / 30 mA, 4-polig

die technisch sinnvolle Wahl.

Ein 40 A FI ist bei 22 kW in der Regel zu knapp dimensioniert und kann thermisch überlastet werden.

Warum DC-Fehlerströme bei 22 kW besonders relevant sind

Je höher die Ladeleistung, desto höher die mögliche Fehlerenergie.

Glatte Gleichströme können:

  • herkömmliche Typ A Schutzschalter sättigen
  • Auslöseverhalten verändern
  • die Schutzwirkung beeinträchtigen

Ein FI Typ B erkennt:

  • Wechselströme
  • pulsierende Gleichströme
  • glatte Gleichfehlerströme

Damit erfüllt er die umfassendste Schutzfunktion.

Typ A EV oder Typ B bei 22 kW?

Ein Typ A EV ist technisch für Ladeeinrichtungen konzipiert, bietet jedoch eine begrenzte DC-Erkennung bis 6 mA.

Ein Typ B bietet:

  • vollständige DC-Erkennung
  • höhere Robustheit bei komplexen Anlagen
  • häufig bessere Zukunftssicherheit

Im gewerblichen Umfeld oder bei mehreren Ladepunkten wird daher meist Typ B bevorzugt.

Praxisbeispiel – 22 kW in einer Tiefgarage

Gegeben:

  • 22 kW Wallbox
  • Vorsicherung 3 × 35 A
  • Keine integrierte DC-Überwachung
  • Dauerlastbetrieb

Empfehlung:

  • FI Typ B 63 A / 30 mA, 4-polig, separate Absicherung.

Häufige Fehler bei 22 kW Installationen

Typische Probleme:

  • Verwendung eines 40 A FI bei 32 A Dauerlast
  • Typ A ohne DC-Überwachung
  • Mehrere Ladepunkte über einen Schutzschalter
  • fehlende thermische Reserve

Eine fachgerechte Dimensionierung verhindert unnötige Auslösungen und langfristige Schäden.

Fazit

Eine 22 kW Wallbox stellt deutlich höhere Anforderungen an die Schutztechnik als 11 kW Anlagen. In den meisten Fällen ist ein:

FI Typ B mit 63 A Bemessungsstrom

die technisch und normativ sichere Lösung.

Die endgültige Auswahl sollte immer unter Berücksichtigung von Vorsicherung, Installationsumgebung und normativen Vorgaben erfolgen.

 

Weiterführende Informationen

Wenn Sie sich intensiver mit der Auswahl und Installation eines FI Typ B für Wallboxen beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende technische Informationen:

• FI Typ B für Wallbox – Normen & Auswahl
• FI Typ B für Wallbox – Normativer Rahmen nach DIN VDE 0100-722
• FI Typ B 40A oder 63A bei 22 kW Wallbox?
• FI Typ B wir warm bei 22 kW Wallbox – normal oder Problem?
• 11 kW vs. 22 kW Wallbox – Einfluss auf die FI-Auswahl

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