Mehrere Wallboxen über einen FI – zulässig oder problematisch?

Darf man mehrere Ladepunkte über einen gemeinsamen FI betreiben?

Mit zunehmender Elektromobilität entstehen immer häufiger Installationen mit:

  • zwei Wallboxen im Einfamilienhaus
  • mehreren Ladepunkten im Gewerbe
  • Tiefgaragen mit Ladeinfrastruktur

Die Frage lautet:

Ist es zulässig, mehrere Wallboxen über einen gemeinsamen FI Typ B zu betreiben?

Die Antwort lautet: technisch möglich – aber nicht immer sinnvoll.

Normative Ausgangslage

Die DIN VDE 0100-722 fordert:

  • Schutz gegen DC-Fehlerströme ≥ 6 mA
  • geeignete Fehlerstrom-Schutzeinrichtung
  • normgerechte Auslegung des Stromkreises

Die Norm verbietet nicht ausdrücklich mehrere Ladepunkte pro FI.
Entscheidend ist jedoch die technische Bewertung.

Das Hauptproblem: Summenableitströme

Jede Wallbox und jedes Fahrzeug erzeugt:

  • betriebsbedingte Ableitströme
  • Oberwellen
  • hochfrequente Anteile

Werden mehrere Ladepunkte über einen FI betrieben, addieren sich diese Ströme.

Beispiel:

Wallbox 1 → 8–12 mA Ableitstrom

Wallbox 2 → 8–12 mA Ableitstrom

Bereits im Normalbetrieb kann die 30 mA-Grenze erreicht oder überschritten werden.

Folge: unerwünschte Auslösungen.

Risiko bei gemeinsamer Absicherung

Mögliche Nachteile:

  • Auslösung betrifft alle Ladepunkte gleichzeitig
  • erhöhte Fehlersuche
  • geringere Verfügbarkeit
  • thermische Mehrbelastung des FI

Gerade bei 22 kW Installationen steigt die Belastung deutlich.

Wann ist ein gemeinsamer FI technisch vertretbar?

Ein gemeinsamer FI kann in Betracht kommen, wenn:

  • nur geringe Ladeleistungen genutzt werden
  • intelligente Laststeuerung vorhanden ist
  • Ableitströme nachweislich gering sind
  • gewerbliche Planung mit Schutzkoordination erfolgt

In der Praxis ist dies jedoch sorgfältig zu dimensionieren.

Warum Einzelabsicherung oft die bessere Lösung ist

Separate FI je Ladepunkt bieten:

  • klare Fehlerzuordnung
  • geringere Summenableitströme
  • höhere Betriebssicherheit
  • bessere Selektivität

Bei mehreren Ladepunkten ist eine Einzelabsicherung meist die robustere und zukunftssichere Lösung.

Praxisbeispiel

Tiefgarage mit zwei 11 kW Wallboxen:

Variante 1:
Ein FI Typ B 63 A für beide Ladepunkte
→ häufige Auslösungen durch Summenableitströme

Variante 2:
Je Ladepunkt ein eigener FI Typ B
→ stabile Funktion, bessere Verfügbarkeit

Besonderheit bei DC-Überwachung

Wenn Wallboxen integrierte DC-Überwachung besitzen, bleibt das Problem der Summenableitströme dennoch bestehen.

Die DC-Überwachung ersetzt nicht die korrekte Auslegung der Stromkreisstruktur.

Fazit

Mehrere Wallboxen über einen gemeinsamen FI zu betreiben ist technisch möglich, jedoch häufig problematisch.

Hauptursache sind:

  • Summenableitströme
  • erhöhte Auslösewahrscheinlichkeit
  • fehlende Selektivität

In der Praxis ist eine separate Absicherung je Ladepunkt meist die technisch sinnvollere und betriebssichere Lösung.

 

Weiterführende Informationen

Wenn Sie sich intensiver mit der Auswahl und Installation eines FI Typ B für Wallboxen beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende technische Informationen:

• FI Typ B für Wallbox – Normen & Auswahl
• FI Typ B für Wallbox – Normativer Rahmen nach DIN VDE 0100-722
• Summenableitströme bei mehreren Wallboxen – warum FI auslöst
• FI Typ B für Gewerbe-Ladeparks – worauf ist zu achten?
• FI Typ B löst beim Laden aus – Ursachen und Lösungen

Zurück zum Blog